Was kommt denn aus dem Menschen hervor, wenn das was er liest, was er sieht, was er in sich aufnimmt, was ihn in seinen Lastern bestätigt, dem abgemagerten und verdorbenen Schwachsinn entstammt, und er es dann nur noch schlimmer macht indem er zum verkorksten Echo wird und alles wiederholt, massakriert, niedertastet und in die digitale Welt herausschreit und verbreitet während er sich zuhause gemütlich die Eier kratzt?

Mich interessiert es wirklich nicht mehr was die Menschenmasse in dieser Pseudo-Welt von sich gibt und herausposaunt, von der Aktivität “Denken” ist nicht die Rede, mich interessiert viel mehr was diese Menschheit liest, abgekapselt von Bildschirmen und den lahmlegenden Terror-Medien. In welche Welten begeben sie sich? Was tun sie eigentlich? Und woran glauben sie, wenn nicht an die eigene Selbstverwahrlosung und ihre Hingabe zu ihren schlimmsten Selbstbildnissen?

Dialoge gibt es nicht, man schreit sich nur an mit einem Hirn das klemmt. Jeder hat etwas zu melden, niemand denkt nach, wartet nur auf sein eigenes Rampenlicht, jeder attackiert jeden, jeder hat Unrecht, jeder ist ein eifrig-wichsender Moralapostel ohne Wertvorstellungen, jeder klagt jeden an, setzt den enger werdenden Rahmen der Kleingeistgesellschaft. Frankenstein hat das Internet, ja, die sozialen Medien, erschaffen, und wir machen es zum Monstrum und nicht zum Menschen, oder sind beide bereits identisch und austauschbar? War das nicht der Urplan, dieses Spiel bei dem wir alle unsere Ethik und Ideale verloren haben und uns nun bis in die Entartung zerfetzen, in die Rückbildung?

Die verhunzte Sprache die jeder benutzt macht mich so müde und ich will mit dem Kopf durch die Wand. Wer hat dem Blödsinnigen eingeredet es sei ratsam loszuplärren wie ein Kleinkind und alles zu verfluchen während er keinen Finger krumm macht? Von wegen Selbstverbesserung. Von wegen Weltverbesserung. Die Redefreiheit wird tagtäglich in einer mittelalterlichen Arena missbraucht und der spektakelbegierige Applaus wird niemals still. Die Gier nach dem Niedermachen, nach der Wissensebbe, nach dem Schrumpfen der Substanz und nach dem Reduzieren auf das Primitive, nicht das Essenzielle, führt den Wagen der sieben Todsünden an aus denen die asozialen Plasmamäuler bestehen.

Es ist mir echt egal was ihr alle denkt. Man kann es euch rechthaberischen Höhlenhirnen und realitätsinkompatiblen Internetidentitäten sowieso nie recht machen. Will ich auch gar nicht. Was dem Otto gefällt, kann die Ilse nicht ab. Ich verabschiede mich mit dem hier angebrachten Schwäbischen Gruß.

Sarah_Bernhardt_en_colère_close-up

“Sarah Bernhardt en colère” by Georges Clairin (1843-1919)

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