Als sie ihn sah, fühlte sie sich, als hätte sie selbst

Als kleines Mädchen

Die ganze Tischdecke mit Geschirr

Abgerissen und alles zu Boden geschmissen.

 

Da lagen nun die Splitter vermischt mit zerbröckelter Kost,

Die Scherben und die reiche Schande,

Der flutende Kaffee der alles bemalt,

Das verlorene Weiß.

 

Die Augen der Mutter im Nacken,

Der Jähzorn des Vaters, abwesend, stur, hallend

In den Räumen wo sie großgezogen wurde.

Die erstickte Luft ist bedrängend, voller Ambitionen.

 

Raus will sie nicht; sie atmet kniend.

Schneidet sich gelegentlich, ihre Farbe ergänzt die Scheiben der Blutorange.

Sie sieht nur seine schlanken Beine, die Schuhe, stets an der Tür.

Er hat sich nicht bewegt, keinen Millimeter.

 

Wäre sie nur in seinem Kopf drin.

Da hat sich alles bereits abgespielt.

Ohne sie, mit ihr vor dem inneren Auge.

Unwissend, vielleicht auf verschiedenen Wellenlängen,

 

Haben beide aufeinander ihre Verlangen projiziert?

Gingen die eigentlich Hand in Hand?

Wer war er überhaupt und was wollte er?

Da passierte doch etwas was niemand erahnte;

 

Vor allem die Mutter nicht, die stets da stand

Und sich das Blut der Tochter in tiefster Stille ansah.

Die Kniende wurde vom Schwindel ergriffen,

Das Gesicht des Vaters geriet in schlummernde Vergessenheit.

Veith,_King_daughter

“The King’s Daughter” by Eduard Veith (1858-1925)

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