Ich hab mich aus dem Fenster springen sehen.

Schlafen ist es nicht.

Ein Fall? Vielleicht.

Mir sind die Flügel entglitten, entrissen worden.

Was verlange ich denn von dir?

 

Gib mir sie zurück.

Vielleicht hielt mich der Wind kurz fest.

Vielleicht bin ich kurz geflogen.

Hab den Gedanken aus dem Fenster geschmissen,

Der mir die Luft in den Lungen verbrennt.

 

Wie kann man so gelähmt sein?

Jedoch schaue ich in meine eigene Reflexion

Und halt mich so sehr fest, dass niemand dazwischen passt.

Kann nicht fliegen, kann nicht fallen.

Soll ich hoch springen?

 

Das Herz klopft zu tapfer, zu stark, zu grell.

Es will hoch hinaus, die Steine abprasseln lassen.

Die Elendsstimmen. Der Chor der Armseligkeit.

Den muss ich hinter mir lassen.

Ich hör die Vereinigung der Elternstimmen.

 

Bin ich ein Kind geblieben?

Dass ich so zitter vor dem geschlossenen Fenster

Und nach Hilfe schreie

Weil mir die Welt zu schwer wird, zu unantastbar?

Ich spür mich selbst aus der Ferne zu mir stoßen,

Und mir selbst die Hand geben, die Steine nehmen,

Und die doch aus dem Fenster schmeißen.

Gustav_Klimt,_Die_Leiden_der_schwachen_Menschheit_(1902)

“Die Leiden der schwachen Menschheit” by Gustav Klimt (1862-1918)

 

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