auf der Suche nach meinem Körper | fiction

Er redet nur im Imperativ mit mir. Ich kenne meinen Vater nicht außerhalb seiner Befehlswelt die er in mir entwickelt. Seine Finger stecken in mir drin. Mit den Worten die aus seinem Mund kommen entschärft er seine Absichten. Die spüre ich so wie er sie versucht zu vernichten, wegzudrücken, ins Nichts, in mich. Er verewigt das was er nicht beabsichtigt. Wühlend versucht er sich loszuwerden. Die Wahrheit haftet ungesehen an meinem Körper. Ich kann keinen Blick einfangen der nicht dasselbe tut. Dasselbe entschuldigt. Ich bin dafür zuständig ihn zu verdauen. Seinen Hauch auszuhalten, ich versuche krampfhaft ihn nicht einzuatmen. Seinen Fleiß, alles was er im Alltag verdrängt. Ich bin sein Alltag, aber das zählt hier nicht. Das gibt es hier nicht.

Ich stamme aus einem einseitigen Glücksmoment. Ich bin nichts anderes. Ich verkörpere die Wiederholung von dem was ihm fehlt, was er braucht. In meinem Körper gibt es keinen Platz für mich. Die Sprache darf in mir keinen Anklang finden. In mir muss die Sprache des Erlebten zugrunde gehen, sie muss sterben, mein Körper empfängt und schweigt ihm zuliebe. Er nimmt mich mir weg, alles was ich spüre versteckt sich ganz schnell und schweigsam in meinem Körper. Und ich überlebe und glaube dass doch alles gut ist.

Ich habe mich verloren weil er mich gefunden hat. Ich sehe mich so wie er mich sieht. Fühle mich so wie die Überreste die er in mir verteilt. Das bin ich, ein Gelüst gegen das er den Kampf verloren hat. Sogar mein Name klingt leblos in seinem Mund. Ich klinge leblos wenn er nach mir greift. Es ist nicht seine Absicht, ich spüre falsch. Ich soll es so sehen wie er, wieviel Freude er an mir hat. Ich soll es so auffassen wie es wirklich gemeint ist. Ein Trichter steckt zwischen meinen zermetzelten Worten in meinem Brustkorb und sucht mein Herz. Er versucht mich zu leeren, er macht Platz für sich, das Lebendige in mir steht ihm im Weg. Das Denkende, das Fühlende, weg damit. Das versteht doch immer alles falsch, versteht ihn immer falsch, was nicht stimmt muss weg.

Seine Absicht ist dass wir uns aneinander freuen. Ich habe kein Gesicht mehr. Kein Gesicht mehr das man lesen kann, verstehen kann. Ich bin Fleisch in der Finsternis. Ein Brocken mit Öffnungen. In meiner Verschwundenheit taucht er auf. Ich bin auf ihn ausgerichtet wie ein Möbelstück. Er bildet sich mich ein. Ich bin etwas Eingebildetes in seinem Kopf. Ein Kunstgriff, dieser Wahrheitsentzug, dieser Seelenraub, absichtlich.

My own drawing © Laura Gentile 2024 | Instagram: croque_melpomene

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