Jeanne Hébuterne | Bilderrahmen & Fensterrahmen | Die Skulptur der Liebessucht ist Gehauen

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Da sprang eine Frau aus dem Fenster,

Aus dem fünften Stock,

Eine Frau mit einem Kind im Bauch,

Da hat man sie fallen sehen,

Das Kind ungesehen,

Welcher Monat war es denn,

Man weiß es nicht mehr,

Der Achte war’s,

Die Frau war Tochter

Noch keine Mutter

Halbwegs Mutter

Vollends Mutter

Was zählt, wer zählt,

Die Künstlerfrau

Die der Kunst, der Liebe nachsprang,

In den Tod hinein, in die Romantik,

Die Kranke, die Sehnsüchtige, die Hellseherin,

Dem Körper der nicht verstorbenen Liebe sprang sie hinterher,

Das Leben hatte sie mitgerissen

In den Abgrund mit verschlossenen Türen,

Die Leichenflut, hinein mit ihr,

Ihm hinterher geisternd, liebend, vollendet,

Es wird nicht mehr gelebt und gelitten,

Hinab, hinauf, hinein,

Das Bild ist gehauen, die Hände zucken noch etwas,

Das Herz starb als erstes,

Das Kind kam nie auf die Welt,

Hatte keinen Namen im Bauch der gestürzten Mutter,

Der Tod hatte sie zu sehr gekränkt, der elende Räuber,

Namenlos, das sich Aufbauende, Aufsaugende,

Es hatte alles keinen Sinn, die Lebensmühe

Unter der Haut der Mutter die sich nie verabschieden wollte,

Es nicht konnte, ein neues Kapitel gab es nicht,

Der Sprung zurück ins Ewig-Alte, halte sie,

Die Frau die liebt und aus dem Fenster springt.

Jeanne Hébuterne (1898-1920)“, Galerie André Roussard, Montmartre

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